Die Unruhe rund um landwirtschaftliche Flächen der Jacobuskerk in Rolde hat die nationale Politik erreicht. Staatssekretär Silvio Erkens von Landwirtschaft hat zugesagt, dass er sich ausführlich über den Verkauf von Land durch die Kirche informieren lässt, meldet De Schakel. Anlass waren Fragen von BBB-Abgeordneter Caroline van der Plas während einer Ausschussdebatte.
Bei der Angelegenheit geht es um Flächen, die jahrelang von Landwirten aus der Umgebung gepachtet wurden. Laut De Schakel hat die Jacobuskerk einen Teil dieser landwirtschaftlichen Flächen an die Provinz Drenthe verkauft, die das Land für die Natur nutzen will. In der lokalen Gemeinschaft ist darüber Unverständnis entstanden, vor allem, weil Pächter laut Kritikern nicht im Vorfeld in die Pläne einbezogen wurden.
Auch RTV Drenthe berichtet, dass Landwirte und der Kirchenrat gegeneinander stehen. Laut dem Sender will der Vorstand der Jacobuskerk an einem grüneren Profil arbeiten und stellt deshalb neue Anforderungen an Flächen, die die Kirche verpachtet.
Neue Pachtverträge laufen aus
Ein wichtiger Punkt ist der Übergang zu liberalisierten Pachtverträgen. Der Kirchenrat bot 2020 einigen Pächtern neue Verträge an. Diese laufen am 1. November aus. Dadurch ist für die betroffenen Landwirte ungewiss, ob sie die Flächen weiter nutzen können.
Der frühere Kirchmeister Jan van der Struik aus Rolde hat die Angelegenheit an die Öffentlichkeit gebracht. Er war jahrelang an Pachtfragen der Kirche beteiligt. Seiner Ansicht nach glaubten die Pächter, dass die Vereinbarungen mit der Kirche sicher seien, während nun deutlich wird, dass Flächen aus ihrem Betrieb verschwinden können.
Van der Struik sagt, dass von zwei Pächtern die Flächen bereits verkauft worden seien. Ein anderer Pächter soll nur noch einen Teil der gepachteten Fläche zurückbekommen. Seiner Ansicht nach geht es unter anderem um junge Bauernfamilien, die die Flächen für ihren Betrieb brauchen.
Van der Struik ist der Meinung, dass die Kirche anders hätte handeln müssen. Bei einem Verkauf hätte das Land seiner Ansicht nach zunächst den derzeitigen Pächtern angeboten werden müssen. Er weist auch darauf hin, dass Land in der Vergangenheit von Bauernfamilien an die Kirche geschenkt wurde und dass Landwirte an der Unterstützung der Kirche beteiligt waren.
Grüner Kurs der Kirche in der Kritik
Die Jacobuskerkgemeinde ist laut De Schakel seit 2018 mit Groene Kerken verbunden. Dieser Kurs spielt nach Angaben Beteiligter eine Rolle bei der neuen Bodenpolitik. Van der Struik tut sich damit schwer und hat darüber an den Kirchenrat geschrieben.
Er ist der Ansicht, dass die Kirche bei der Bewirtschaftung von Land auch die Menschen berücksichtigen muss, die seit Langem davon abhängig sind. Über das Vorgehen der Kirche sagte er gegenüber De Schakel, dass Pächter dies als „unmenschlich“ empfänden.
Van der Struik kritisierte bereits zuvor auch die Entscheidung der Kirche, kein Osterfeuer mehr auf kirchlichem Gelände zu erlauben. Seiner Meinung nach sorgt die derzeitige Linie für Entfremdung zwischen der Kirche und den Menschen in Rolde und Umgebung.
Der Kirchenrat war laut De Schakel für eine Stellungnahme nicht erreichbar.